Liturgische Intervention
mit Pater Friedhelm Mennekes SJ
Die liturgische Intervention von Pater Friedhelm Mennekes SJ im nitsch museum versteht sich als performative Annäherung an einen zentralen Aspekt von Hermann Nitschs Werk: die Verbindung von Ritual und Sinnlichkeit.
Religiöse Zeremonien und insbesondere die Liturgie waren für Nitsch zeitlebens eine wichtige Inspirationsquelle. Bereits seit den späten 1960er Jahren integrierte er liturgische Gewänder, Kelche, Monstranzen und andere sakrale Gegenstände in seine Aktionen. Die von ihm entwickelten Handlungsabläufe folgen einer eigenen Dramaturgie und greifen dabei auf archetypische Bilder von Opfer, Ekstase, Schmerz und Erlösung zurück.
Ausgehend von diesen Überlegungen entwickelt Friedhelm Mennekes eine etwa 45-minütige Intervention, die weder als Gottesdienst im klassischen Sinn noch als Rekonstruktion einer Aktion Hermann Nitschs zu verstehen ist. Vielmehr entsteht ein offener ritueller Raum, in dem liturgische Formen, Gesten und Materialien in einen zeitgenössischen künstlerischen Zusammenhang treten.
Begleitet von Harfe, Orgel und elektronischer Musik kommen dabei sakrale Objekte aus dem Besitz Hermann Nitschs ebenso zum Einsatz wie Gewänder, Brot, Wein, Blut und andere reale Materialien, die seit jeher zum Vokabular seiner Kunst gehören.
Die Besucherinnen und Besucher sind eingeladen, Teil eines gemeinschaftlichen Geschehens zu werden, das zwischen Andacht, Aktion, sinnlicher Erfahrung und künstlerischer Reflexion oszilliert. Vertraute liturgische Abläufe werden aufgegriffen und in neue Zusammenhänge überführt.
Als langjähriger Wegbegleiter Hermann Nitschs und Zelebrant seiner Trauerfeier bringt Friedhelm Mennekes eine besondere Vertrautheit mit den religiösen und spirituellen Dimensionen von Nitschs Werk ein. Die Intervention eröffnet die Möglichkeit, dessen Verständnis von Ritual als unmittelbare Erfahrung zu erleben.